von Rozelin Top

17.03.2017

„Hotel Mama“- oder doch lieber Nutella löffeln


Nach einem anstrengenden Tag an der Uni wäre es jetzt schön nach Hause zu gehen und sich auf die Couch zu legen. Sich von Mama bekochen zu lassen und nicht eine Sekunde an den Abwasch zu denken. Die Klamotten liegen schön gebügelt im Kleiderschrank und der Kühlschrank ist voll. Das Haus ist sauber und durchgelüftet. Man braucht im Haushalt nicht viel zu machen, denn man ist ja schließlich Student und hat genug zu tun.

 

 

„Hotel Mama“, wie man so schön sagt, hört sich wundervoll an, kann aber auch ganz schnell zum Albtraum werden. Während der Prüfungsphase ist es zum Beispiel bei uns Südländern generell so, dass Eltern den Drang dazu verspüren , die ganze Verwandtschaft nach Hause einzuladen. Plötzlich steht die Tante vor der Tür und hat Stress mit ihren Arbeitskollegen und braucht vor deiner Klausur in Mathe die volle Aufmerksamkeit. Du könntest auch eine kleine Schwester haben, die während du mit deiner Hausarbeit beschäftigt bist, plötzlich anfängt Talente zu entwickeln und dein Zimmer ihre neue Bühne wird. Obwohl man es zu Hause am schönsten hat, kann es manchmal auch ziemlich nervig werden. Viele Kommilitonen aus der Redaktion wohnen jedoch immer noch im Haus der Eltern,  wie ich. Es ist meiner Meinung nach bequemer. Man trägt weniger Verantwortung und kann sich somit auch mehr um sein Studentenleben kümmern.

 

Anders sieht es bei denen aus, die ausgezogen sind, sei es in eine WG oder in eine Wohnung gemeinsam mit dem Partner. Andere haben eine Familie gegründet oder leben alleine. Man hört hier und da, dass das „alleine wohnen“ zwar viel Ruhe mit sich bringt, aber doppelt so viele Probleme. Viele verbringen ihre Freizeit damit, zu arbeiten und kommen mit ihrem Studium schwer voran, möchten aber trotzdem zeigen, dass sie selbstständig sind und ihr Leben alleine in den Griff bekommen können. Alles was Mama davor zuhause erledigt hat, muss von einem selbst übernommen werden. Papa macht nun nicht mehr den Einkauf, denn der muss jetzt selbst erledigt werden. Demzufolge ist der Kühlschrank die meiste Zeit leer. Viele sind überfordert, was ich selbst  von meiner Tante bestätigen kann. Sie meinte zu mir, dass es Tage gab, an denen sie spät abends von ihrem Aushilfsjob nachhause gekommen ist und der Kühlschrank komplett leer war. Damit sie nicht verhungert, hat sie Nutella gelöffelt, um sich einigermaßen zu sättigen. Als ich mir ihre Geschichten angehört habe, war mir sofort klar, dass ich während des Studiums bei meiner Mama bleiben werde. Natürlich weiß ich bis heute nicht ob das nur ein Trick von meiner Mama war, damit ich nicht wegziehe - aber nun gut - ich bin mit meiner Situation zufrieden. Jeder sucht sich sein Dach über dem Kopf so aus, wie es einem selber am liebsten ist.