Aaron S. Krings

17.03.2017

Verpackungsfrei im kleinen Tante-Emma-Laden

 

Stuttgarts erster Unverpackt-Laden „Schüttgut“ geht das Problem des ökologisch nachhaltigen Einkaufs an.

Sie knistern, nehmen Platz weg und sind dazu noch nicht mal unbedingt nötig – Plastikverpackungen! Jeder kennt das Problem im Supermarkt, jedes kleinste Produkt einzeln verpackt kaufen zu müssen. Angefangen beim Schokoriegel, bis hin zu extra eingeschweißtem Obst. Muss das sein? Geht das nicht auch anders?

 

Stuttgarts erster Unverpackt-Laden „Schüttgut“ will genau hier Abhilfe schaffen. Im Stuttgarter Westen hat sich 2016 der kleine „Tante-Emma“-Laden mit dem grünen Gedanken gegründet. Inhaber Jens-Peter Wedlich bietet hier Produkte für den täglichen Bedarf verpackungsfrei an. Das Sortiment reicht von Reis, Gewürzen, Öl über Obst und Gemüse bis hin zu Hygieneartikeln wie Zahnpasta und Waschmittel. Doch wie funktioniert das Unverpackt-Konzept?

Zuallererst werden Produkte gesucht, die ökologisch nachhaltig, fair und meist auch bio sind. Gefunden auf regionalen und überregionalen Messen sowie über die Netzwerke der Unverpackt-Läden in Deutschland werden Produkte gekauft und getestet. Schüttgut-Inhaber Jens-Peter Wedlich erzählt, dass er in seinem Laden über 90 Prozent der zum Verkauf stehenden Produkte vorher getestet habe. Was sich nicht bewähre, falle wieder aus dem Sortiment. Nach einer Schädlingskontrolle werden die Produkte aus den Großmarktverpackungen in die Behältnisse des Ladens umgefüllt. So zum Beispiel in die sogenannten „Schütten“, in denen sich unter anderem Nüsse, Reis und Müsli befinden. Anderes gibt es in Glasbehältern und großen Kanistern. Was überbleibt lagert nach strengsten Hygienevorschriften. Im Laden selber sorgen die selber mitgebrachten Behältnisse zum Abfüllen der Ware für die nötige Hygiene. Hierbei werden Tupperdosen, Flaschen, Papiertüten und alles Erdenkliche genutzt. „Wir bringen den Menschen wieder bei mit den Lebensmitteln umzugehen“, meint Inhaber Wedlich. Heute wisse kaum einer mehr wieviel 500g Reis tatsächlich sei und wieviel man wirklich brauche.

„Schüttgut“ will sensibilisieren für den nachhaltigen Konsum und dabei den Kunden die Fähigkeit der Planung zurückerlangen lassen. So gibt es Kunden, die alle zwei bis drei Tage ein bisschen einkaufen, aber auch solche, die nur alle zwei Monate für ihren Großeinkauf vorbeikommen. Es sind Familien, Rentner und Studenten, die das Angebot des Unverpackt-Ladens nutzen. Einzig das Preisniveau, das sich mit dem eines Biomarktes vergleichen lässt, grenzt den Kundenstamm etwas ein.

Wedlich, der 30 Jahre lang in Großunternehmen der Chemie- und Schwerölindustrie gearbeitet hat, hat sich nach einem Lebenswandel und der intensiven Befassung mit dem Thema Umweltschutz und Meere, mit dem Laden seinen Traum erfüllt: „Hier bin ich glücklich – hier kann ich abends mit einem guten Gefühl ins Bett gehen!“ Also vielleicht das nächste Mal doch verpackungsfrei?...

Schüttgut im Internet