Ann-Kristin Steinert

17.03.2017

Ich lebe schon jetzt in der Praxis!

„Haja Kind, geh and PH, da wirst‘ gut pädagogisch ausgebildet und es wird net so en Fachidiot aus dir, wie die ganzen Leute von der Uni, die haben doch keine Ahnung von d Praxis.“

 

Mathe kann auch Spaß machen

Nicht selten hört man Sätze wie diese, doch glauben die Leute das wirklich? Ich sage dazu nur: Gut gemeint, aber falsch gedacht! Wer von euch gehört zu der Sorte von Menschen, die bereits in der Babywiege den Wunsch hegten den Lehrerberuf zu erlernen? Ich behaupte mal die Wenigsten! Ich war jedenfalls scheinbar seit dem Moment, als ich mit meiner überdimensional großen Clowns-Schultüte und meinem tollen Heidi-Blümchen-Kastenschulranzen (ihr wisst bestimmt, was ich meine) das erste Mal den Schulraum betrat, total  in meine traumhafte Grundschullehrerin verliebt und wollte unbedingt werden wie sie. Heute studiere ich seit fast drei Jahren in einem grauen tristen Betonklotz und habe von bunten-hell-farbig-dekorierten Räumen mit quirligen wuselnden kleinen Kindern lange nichts mehr gesehen. Was soll ich in zwei Jahren mal sein? Bürofachfrau oder Mediendesignerin für wissenschaftliche Poster?

 

 

Nur die Tatsache, dass in einigen wenigen Seminaren hin und wieder der Name Lehrer unter vielen anklingt, bringt mir wieder ins Gedächtnis: Das hier ist die offizielle pädagogische Ausbildung zur Grundschullehrerin! Und dabei haben wir doch so eine klar fundierte Vernetzung zwischen Theorie und Praxis, wie immer alle denken (Achtung: Ironie!).

 

Es ist ganz einfach: Nichts anderes als die Praxis wird dir immer wieder zeigen, wie dein Ziel aussieht um durchzuhalten. Nur die Praxis wird dir zeigen, wie es ist im Klassenzimmer zu stehen, da du dort ganz offiziell Lehrer sein darfst. Nicht das graue stupide an die Wand starren, das Lesen von 1000 Seiten unnützer Manuskripte, die ich in meinem Berufsleben wahrscheinlich niemals brauchen werde, helfen mir hier weiter, aber sie erwarten mich jeden Tag. Ich kann mich nicht daran erinnern, meine Lehrerin sagen gehört zu haben: „Ihr wolltet doch schon immer  mal wissen, warum Multiplizieren und Dividieren das Gegenteil voneinander sind. Denn im Studium habe ich den Beweis dafür gelernt und die Dozenten sagten, die Schüler werden das bestimmt mal wissen wollen.“ Nein, keins der Kinder wird mich das je fragen.

Gott sei Dank habe ich angefangen im Rahmen einer Nachhilfearbeit realistische Praxiserfahrungen zu sammeln. Das Studium würde mich von meinem Weg manchmal sogar wieder abbringen, doch die Nachhilfe mit meinen Schüler/innen zeigt mir, wofür ich unterwegs bin. Hier lerne ich, was es heißt, sich auf unterschiedliche Bedürfnisse einzustellen. Auf einmal stehe ich vor Herausforderungen, die  noch nie während des Studiums erwähnt wurden. Unsere Kurse sind zum Teil so praxisfremd, dass uns nicht einmal gelehrt wird, wie man einem Kind das Lesen beibringt, was ich mir selbst aber für meine Nachhilfeschüler erarbeiten musste. Reiche Erfahrungen aus dem Schulalltag bieten lediglich die Praktika, während dem Studium. Das Integrierte Semesterpraktikum (ISP) war für mich persönlich sehr hilfreich, mich in meinem Berufswunsch zu bestärken. Doch sieht man die Praktika im Verhältnis zur Regelstudienzeit von 8 Semestern (GS PO 2011) sind nur wenig Praxiseinblicke möglich.
Aus diesem Grund sehe ich es als sehr wertvoll an, konstant in der pädagogischen Praxis unterwegs zu sein. Nicht nur die Kinder bekommen hier eine Nachhilfestunde, vor allem auch ich darf erfahren, wofür es sich lohnt sich durch das Studium zu kämpfen.