Öznur Celebi

17.03.2017

Kein BAfög, dafür Arbeit

Partys, Reisen, Semesterferien - so stellt man sich das Studentenleben als Schüler vor. Doch im Studium steigt der finanzielle Druck.

63 Prozent der Studierenden jobben während des Studiums, die einen, um ihr monatliches Budget aufzubessern, die anderen um zu überleben. Laut einer Studie des Studierendenwerkes Stuttgart hat ein Studierender 864 Euro im Monat zur Verfügung. Davon tragen im Durchschnitt die Eltern 476 Euro bei. Wobei Studierende im ersten Semester mehr Geld, durchschnittlich 508 Euro, bekommen und gegen Ende des Studiums 370 Euro.

 

Wenn Studierende mehr als 450 Euro im Monat verdienen, müssen sie Steuern zahlen, so wie auch die Lehramtsstudentin Mara. Sie braucht knapp 600 Euro, um ihre Fixkosten decken zu können, wobei die Miete von 420 Euro ihre Eltern übernehmen. Zusätzlich arbeitet sie als studentische Teilzeitkraft in einem Kino in Stuttgart. Sie verdient 800 Euro brutto, wobei sie davon knapp 600 Euro netto monatlich zur Verfügung hat, denn ihre Krankenversicherung in Höhe von 90 Euro und andere Steuergelder muss sie natürlich auch bezahlen. Die Stromrechnung, ihren Handyvertrag und ihren Sport zum Ausgleich zahlt sie selbst, um „dieses Bisschen an Lebensqualität zu erhalten“. Um sich auch mal neue Schuhe kaufen und vielleicht mal mit Freunden ausgehen zu können, nimmt sie die Arbeit auf sich, damit sie in keine finanzielle Krise gerät. Da genügt ihr kein 450-Euro-Job.

 

Die Abiturientenberaterin Susanne Heiser von der Agentur für Arbeit warnt vor dem zu vielen Jobben, da das Studium dadurch gefährdet wird. Mara ist der Meinung, dass alle Studierenden Anspruch auf BAföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz) haben sollten und somit auf die staatliche Unterstützung für die Ausbildung von Schülern und Studenten, denn die Motivation und der Spaß können sinken und die Angst davor steigen, dass diese Doppelbelastung von Studium und Arbeit, der steigende Leistungsdruck und die Zukunftsangst psychische Erkrankungen auslösen könnten, da sie dies bereits bei Kommilitoninnen erlebt habe. Auch möchte sie nicht nur aus den Taschen ihrer Eltern leben. Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen, Kai Gehring, sagt im Bundestag, dass immer weniger Schüler und Studierende mit einer Bafög-Förderung rechnen können. „Anstatt das BAföG weiter herunterzuwirtschaften, braucht die junge Generation ein klares Ja für eine unverzügliche Reform der Studienfinanzierung.“, meint Gehring. Eines ist klar, das Studentenleben wird nur dann wirklich toll, wenn man nebenher arbeiten und sich eine tolle freie Zeit gestalten kann.