Markus Reichle

21.09.2017

Lieber Nordseefisch statt Maultaschen? Oder doch lieber Weißwürste?


 

Studieren in Ludwigsburg, Referendariat in Wilhelmshaven und Klassenlehrer in Bad Reichenhall? Geht nicht! Geht doch! Auch wenn dabei weniger kulinarische Gründe ausschlaggebend sein werden, wenn sich (angehende) Lehrkräfte Gedanken zu einem Bundeslandwechsel machen, wird solch einer durch Beschlüsse der Kultusministerkonferenz (KMK) aus den Jahren 2001 und 2013 ermöglicht.

 

 

Mit dem Beschluss der KMK aus dem Jahr 2001 wurde beschlossen, dass sich Lehrkräfte nach abgeschlossener Lehrausbildung bundesweit auf eine Stelle bewerben und bei entsprechender Auswahl auch antreten können. Im selben Beschluss wurde für Lehrkräfte, die den Schuldienst schon angetreten haben festgehalten, dass auch sie sich bundesweit auf freie Stellen bewerben können, jedoch sowohl von ihrer Dienststelle als auch vom Land eine Freigabeerklärung benötigen. Der Wechsel soll dann schnellstmöglich, im Normalfall jedoch nicht später als zwei Jahre nach der Beantragung erfolgen. Grund dafür ist, dass unter einer Versetzung der Unterricht nicht leiden darf. Hat ein Lehrer beispielsweise eine Abiturklasse, wird diesem die Versetzung erst am Ende des Abschlussjahres genehmigt. Eine weitere Möglichkeit für Lehrkräfte im Schuldienst das Bundesland zu wechseln, stellt das sogenannte Einigungsverfahren dar. Dabei werden zwei quasi gleiche Lehrer, sprich mit nahezu derselben Ausbildung, ausgetauscht. Dies kann sowohl zwischen den Schuljahren (zum 1. August) als auch zwischen den Schulhalbjahren (zum 1.Februar) passieren. Bevorzugt werden dabei vor allem Familienzusammenführungen. Im Übrigen werden im Rahmen des Beschluss die Länder dazu angehalten die Freigabeerklärungen großzügig zu erteilen.

 

Geht nicht?

 

Der Bundeslandwechsel funktionierte jedoch in Folge des KMK-Beschluss von 2001 nicht so reibungslos, wie man sich das vorgestellt hatte. Weil Bildung eben Ländersache ist und die Lehrerausbildung in Deutschland doch von Bundesland zu Bundesland sehr stark abweichen kann, kam es dabei immer wieder zu Problemen. So schwankt beispielsweise die Dauer des Vorbereitungsdienstes zwischen 12 und 24 Monaten.

Geht doch!

 

Die Folge war, dass es 2013 zu einem weiteren Beschluss der KMK kam, um den Lehrerinnen und Lehrern eine höhere Mobilität zu gewährleisten. So verpflichten sich die Länder durch diesen Beschluss dazu, zukünftig jeden Absolventen eines Lehramtsstudiums den Vorbereitungsdienst zu ermöglich und dies unabhängig davon in welchem Bundesland das Studium abgeschlossen wurde. Ebenso verpflichten sie sich dazu Absolventen des Vorbereitungsdienstes in jedem Bundesland das Antreten einer Lehramtsstelle zu ermöglichen. Wichtig dabei ist, dass sowohl Studium als auch Vorbereitungsdienst den Vereinbarungen der Kultusministerkonferenz entsprechen. Auch nach diesem Beschluss kommt es in Einzelfällen noch zu Problemen. Beispielsweise wenn Lehrkräfte Fächer studiert haben, welche es in anderen Länder so nicht gibt. So bringt es einer Schule in Sachsen nichts, wenn sich eine Lehrkraft aus Schleswig-Holstein mit „Dänisch“ als zweitem Hauptfach bewirbt. Alles in allem bringt der Beschluss von 2013 aber die erhoffte Wirkung mit sich.

 

Bundeslandwechsel während des Studiums?

 

Schwieriger gestaltet sich das Ganze bis heute jedoch noch bei Bundeslandwechseln während des Studiums. Dies liegt daran, dass Bildung, wie eben schon erwähnt, im Grunde Sache der Länder ist. So unterscheiden sich nicht nur die Dauer des Vorbereitungsdienstes, sondern auch teilweise die Studienfächer und -inhalte. Und da es unter Umständen schon bei Universitätswechseln innerhalb eines Bundeslandes dazu kommt, dass nicht alle bisher erbrachten Studienleistungen anerkannt werden, ist von Universitätswechseln über die Ländergrenzen hinweg eher abzuraten.

 

Dank der Beschlüsse der KMK steht einem Bundeslandwechsel bei Lehrkräften, auch aufgrund kulinarischer Unzufriedenheit, außer ein bisschen Bürokratie und etwas Geduld also nicht allzu viel im Weg. Es bleibt nur zu wünschen, dass sich der Beschluss von 2013, anders als der von 2001, auch langfristig als Erfolg bewährt.