Sarah Battermann

21.09.2017

#studentenlebenläuft


Student müsste man sein. Ja, das hört man doch ständig. Es existieren viele Klischees und gerade über Social Media werden diese weit verbreitet und ausgeschmückt.
In diesem Artikel geht es um einen typischen Studentenalltag, voller Klischees und so mancher Tatsachen.

Ich, Student, Mitte zwanzig, versuche mein Leben für das nächste Semester mal wieder neu zu ordnen. Natürlich mit einer dreiseitigen, schön designten To-Do Liste, die ich mir bei Pinterest oder so herunter geladen habe. Wie die Semesterferien wieder mal so schnell vorbei sein konnten, frage ich mich immer noch.

Nun versuche ich motiviert und ohne Plan vom neuen Stundenplan in den Montag zu starten. Die schönen Tage des Ausschlafens sind vorbei und ab sofort heißt es um 10 Uhr im überfüllten Hörsaal zu sitzen, anstatt am Frühstückstisch. Ach ja, die Wärme im Hörsaal und die schönen Bilder in Insta und Co. lassen einen den Sommer richtig missen. Der, für einen müden Montagmorgen viel zu  tiefsinnige Spruch „Man schätzt etwas erst, wenn man es nicht mehr hat“, lässt einen vom warmen Bett und den einst schwerelosen, freien Tagen, die nun hinter einem liegen, träumen.
#PositiveVibes ist doch unser Motto, also Kopf hoch und das Gute sehen. Andere müssen arbeiten, während wir freies WLAN verschlingen, uns von Kaffee ernähren und auch noch unsere Freunde sehen. Außerdem nicht zu vergessen, machen wir, im Gegensatz zu unserer Schulzeit, genau das was uns Spaß macht. Haben es uns ja selbst rausgesucht.

So sitze ich wieder einmal, am frühen Dienstagmorgen, in einer Vorlesung und frage mich, was das mit meiner Zukunft zu tun hat und wie ich hier gelandet bin. Ich erinnere mich, dass es gut in meinen Stundenplan gepasst hat und ich diesen Sommer beschlossen hatte, während des tetrisartigen Erstellens meines Stundenplanes, doch mal Gas zu geben, um nicht als ewiger Student zu enden. Da ich, wie beschrieben Mitte zwanzig, und Student bin, liegt das Geldverdienen gefühlt noch in weiter Ferne. So gebe ich mich in meiner Freizeit, die man wie besagt ja als Student in Massen hat, mit der Materie meiner Zukunft ab. Vorbildlich übe ich mein Handwerk und verdiene mit Nachhilfestunden mein Geld, bewundere Freunde, die nach der Arbeit nach Hause können, ihr Geld auf dem Konto sehen und hier tatsächlich #positiveVibes haben, während ich immer kämpfe, nicht ins Negativ zu rutschen. Ach ja, eines Tages werde auch ich mit meinem Auto nach Hause fahren, träume ich, während ich am Bahnhof sitze, da die Deutsche Bahn mal wieder einen Zug ausfallen lassen hat und bereue es zu Pendeln.

Doch die Bahn fällt ja nicht jeden Tag aus und so komme ich Mittwoch früh pünktlich im Seminar an und kann sogar noch einen freien Stuhl ergattern, während die nach mir Kommenden auf dem Boden Platz finden. Taktisch unklug wäre es nun, seinen Platz zu verlassen, um noch schnell auf die Toilette zu gehen. Ne, da ist es taktisch klüger, es während des Seminars zu machen und sich dabei noch die Zu Beine vertreten, etwas anderes sehen, raus kommen und Zeit rumbringen. Der klassische Taktikplan eines Studenten. Dazu gehört außerdem, nach dem Seminar nicht mehr lange zu trödeln und direkt in die Mensa zu stürmen. Zur Mittagszeit ist Timing alles. Kommt man zu spät, steht man in der langen Schlange vor dem Essen eine gefühlte Ewigkeit. Da wird die halbstündige Pause eng. Wieder einmal darf man hier feststellen, dass man im Studium wirklich fürs Leben lernt. Timing, Taktik und Organisation waren noch nie größere Bestandteile meines Alltags als jetzt.
So gehört es nun zu meinen Künsten, während meines Studiums auch meine Freizeit gut durch zu strukturieren. Dazu gehören Zeiten fürs Lernen und Folien ausdrucken, sowie Zeiten für Sport und gesunde Ernährung. Dank Online-Shopping muss ich nicht einmal gezwungener Maßen losfahren, um mein perfektes Studentenoutfit, lässig, aber mit Style zu kaufen.

 

Um auch mal morgens zu lernen, beginnt der Donnerstag, mein letzter Tag der Studentenwoche, erst um zwölf. Was natürlich nichts damit zu tun hat, dass Studentenpartys häufig mittwochs stattfinden.
So habe ich es tatsächlich geschafft, mir in der Vorlesung einen Platz in der goldenen Mitte des Hörsaals zu sichern. Was bedeutet, dass ich zwar generell nicht auffallen sollte und somit problemlos die neuesten Jodel-Sprüche auf meinem Smartphone lesen kann, jedoch gleichzeitig eine laolawellenartige Bewegung in Gang setze, da ich vergessen habe, vor der Vorlesung aufs Klo zu gehen. Da bereut man seinen, in letzter Zeit drastisch angestiegenen Kaffeekonsum gleich doppelt.
Doch was muss einem an der PH schon peinlich sein, rede ich mir ein und stehe somit einfach zwanzig Minuten später gleich noch einmal auf, damit ich, rechtzeitig für mein langes Wochenende, noch die frühere Bahn bekomme. Als Pendler hat man es eben nicht leicht und muss ganz klare Prioritäten im überfüllten Studentenalltag setzten.