Marian Müller

21.09.2017

Den Blick schärfen!

Habt ihr euch schon einmal gefragt, wer die Fotos bei den Veranstaltungen der PH aufgenommen hat, welche ihr auf der Homepage der PH bewundern könnt? Viele davon stammen vom PH-Studenten, Kunsttutor und Jugendkunstpreisträger für Fotografie vom Land Baden-Württemberg, Luca Leitersdorf (22).  In diesem Interview erfahrt ihr, welche Aufgaben er für die PH  übernimmt, was ihn an der Fotografie fasziniert, welche Tipps er für Hobbyfotografen hat und noch vieles mehr.

Foto: Luca Leitersdorf

ImPHuLs: Hallo Luca, wir haben erfahren, dass du neben deinem Studium viele Fotografieaufgaben für die PH übernimmst. Wie kann man sich das vorstellen? Was sind deine Aufgaben, welche du für die PH als Fotograf ausführst?
Luca Leitersdorf: Also zunächst einmal, ich bin der Fotograf in vielen Bereichen für die PH Ludwigsburg, ich bin über das Fach Kunst engagiert, bin der Tutor für Fotographie. Sprich, meine Aufgaben sind bei Veranstaltungen der PH zu fotografieren, wie beispielsweise die Zeugnisvergabe, Poetry Performances oder Open Stages. Zusätzlich biete ich immer unter der Woche Dienstags und Donnerstags mein Tutorium für Fotographie an. Bei diesem gehe ich speziell auf die künstlerischen Aspekte des Fotografierens ein. Studierende können mit ihren Projekten zu mir kommen, wir gehen die Ideen gemeinsam durch und ich gebe Tipps und Ratschläge.

ImPHuLs: Wie bist du dazu gekommen für die PH zu fotografieren und das Tutorium zu leiten? Wurdest du von Dozenten angesprochen oder wie kann man sich das vorstellen?
Luca Leitersdorf: Ich habe vor ca. 5 Jahren angefangen zu fotografieren und habe meine Grundkurse und Vertiefungskurse in diesem Kunstbereich an der PH besucht. Mir ist dabei aufgefallen, dass es im Fach Kunst Tutorien im Bereich Grafik, also Malerei, und im Bereich Plastik die Tonwerkstatt gibt und kein Tutorium für Fotographie. Ich empfand dies benachteiligend dem medialen Aspekt der Kunst gegenüber….

ImPHuLs: Es gab davor einfach gar kein Tutorienangebot in diesem Bereich?
Luca Leitersdorf: Nein. Es gab und gibt das Fotostudio bzw. die Fotowerkstatt aktuell, welche…

ImPHuLs: Entschuldige, könntest du für unsere Leser kurz erklären, um was es sich bei der Fotowerkstatt handelt?
Luca Leitersdorf: (lacht) Ja natürlich! In der Fotowerkstatt von Herrn Seemann kann man Filme von älteren Filmkameras entwickeln lassen oder diese selbst im Chemiebecken usw. entwickeln. Gegenüber befindet sich das Fotostudio. Für dieses sind teilweise auch noch Herr Seemann und hauptsächlich ich zuständig. Über mein Tutorium kann man dann ins Fotostudio gehen und dann dort fotografieren.

ImPHuLs: Interessant, kann zum Fotostudio und ins Tutorium jeder Student kommen oder nur Kunststudenten?
Luca Leitersdorf: Es war zunächst nur für Kunststudenten angedacht, jedoch bin ich relativ offen für jeden fotografieinteressierten Studenten. Es ist im Prinzip ja auch mein Job bei Problemen zu helfen.

ImPHuLs: Mit welchen Fragen kommen dann die meisten Hilfesuchenden zu dir?
Luca Leitersdorf: Die Kamera an sich ist ein noch relativ neues Medium in der Kunst und hat meiner Meinung nach noch nicht ihren Platz gefunden. Viele Studenten sind erstmal damit konfrontiert, wie die Kamera funktioniert. Auf welche Aspekte kommt es an? Wie stelle ich meine Kamera ein? Auf was muss ich während des Fotografierens achten? Dies sind erst einmal die generellen Fragen.  Die zweite Ursache, warum viele Studenten zu mir kommen, ist die Suche nach Inspiration. Sprich, ich gebe ihnen die Möglichkeiten, gewisse Projekte in Angriff zu nehmen. Es kamen auch schon Studierende mit einer Idee und wir haben diese gemeinsam umgesetzt.

ImPHuLs: Könntest du uns ein Beispiel nennen?
Luca Leitersdorf: Natürlich. Zum Beispiel kam eine Studierende mit dem Thema „Der Kampf mit sich selbst“ zu mir und wollte zwei Bilder in verschiedenen Haltungen mit Photoshop übereinander legen. Ich konnte ihr jedoch zeigen, dass diese Methode auch mit der Kamera selbst möglich ist und wir haben dann zwei Stunden lang im Fotostudio daran gearbeitet ohne groß mit Bildbearbeitungsprogrammen zu arbeiten.
 

ImPHuls: Entfernen wir uns  einmal von der PH-Welt in unseren Fragen. Du hattest ja erwähnt, dass du vor ca. 5 Jahren angefangen hast zu fotografieren. Was macht denn für dich die Faszination am Fotografieren aus? Warum hat es dich so gefesselt?
Luca Leitersdorf: Die Kamera ermöglicht, Augenblicke und Momente festzuhalten. In der heutigen Zeit nehmen wir uns nicht mehr die Zeit, uns auf Augenblicke und Momente zu konzentrieren. Man geht in die Uni, ins Seminar und danach noch schnell in die Mensa. In dieser Zeit begegnet man aber so vielen schönen Augenblicken, Momenten und vor allem Blicken von Menschen. Ich habe mir mit der Zeit angewöhnt, den Blick für solche Augenblicke zu schärfen und das Ungewöhnliche am Alltag herauszuarbeiten. Ich konzentriere mich bewusster auf ästhetische Objekte und Dinge, welche den Augenblick ausmachen. Ich habe daran irgendwann fast eine Besessenheit und pure Freude entwickelt. Als ich auch noch dafür Anerkennung von Freunden und Bekannten erfahren habe, wurde dies natürlich noch gesteigert und hat es zu mehr als zu einem Hobby werden lassen.

 

ImPHuLs: Sind unsere Recherchen korrekt, dass du dir die technischen Aspekte des Kameraumgangs autodidaktisch beigebracht hast?
Luca Leitersdorf: Ja das stimmt. Ich habe mir damals eine Kamera zugelegt…

 

ImPHuLs: Da möchte ich kurz einhaken. Hast du dir direkt eine relativ teure Kamera gekauft oder eine eher einfachere, billigere Variante?
Luca Leitersdorf: Nein, diese finanziellen Möglichkeiten hatte ich gar nicht. Ich hatte damals eine alte Minolta-Kamera von meiner Oma vererbt bekommen. Da es sich  jedoch um eine Filmkamera handelte, war ich noch zu scheu um viel mit ihr zu fotografieren. Meine erste eigene Kamera war eher eine spontane Aktion, eine Einsteigerkamera für rund 300 Euro. Ich habe dann bemerkt, dass die Objektive von der alten Minolta-Kamera auf meine Einsteigerkamera passten. Mittlerweile habe ich natürlich ein größeres Equipment, was meine Arbeit erleichtert. Es ist jedoch nicht eine Sache von einer teuren Ausstattung, es geht vielmehr um den Blick für ein Foto.

 

ImPhuLs: Wenn nun einer unserer Leser auf den Geschmack gekommen ist, zu fotografieren,  wo könnte er oder sie denn die Möglichkeit haben sich auszuprobieren? Ohne jetzt direkt viel Geld in eine Kamera zu stecken?
Luca Leitersdorf: Man kann sich Kameras im Medienzentrum ausleihen oder seit letztem Semester auch Spiegelreflexkameras in der Fotowerkstatt. Damit kann man sich erstmal selbst ausprobieren…

 

ImPhuLs: Und dann zur Beratung in dein Tutorium kommen? Oder hast du ein festes Programm, für welches man sich am Anfang des Semesters anmelden sollte?
Luca Leitersdorf: Anfangs sind wir schon nach einem festen Plan und nach Themen vorgegangen, wir sind jedoch bald einfach rausgegangen und haben uns ausprobiert. Ich finde durch die Praxis lernt man das eigentliche Fotografieren. Wer die Theorie kennt, tut sich natürlich leichter in der Praxis, aber den Blick zu schärfen lernt man nur in der Praxis. Um diesen Blick dreht sich meiner Meinung nach alles. Für die Feinheiten und das Motiv. Wenn Studenten privat Probleme mit dem technischen Umgang mit einer Kamera haben, können sie jedoch auch gerne bei mir im Tutorium vorbei kommen.

 

ImPHuLs: Wie bekommst du das Tutorium zeitlich in deinem eigenen Studium unter?
Luca Leitersdorf: In der Regel habe ich ein bis zwei Stunden Vorbereitungszeit. Das Tutorium und das Fotostudio nehmen dann noch einmal zwei Stunden in Anspruch. Da ich bereits einige Workshops geleitet habe, habe ich mir schon einen Themen- und Aufgabenfundus erarbeitet. Da ich sowohl Sport als auch Kunst als praktische Fächer habe, bietet sich oft die Möglichkeit die Vorbereitung und das Studium zu verbinden. Ich selbst mache das auch um den Studierenden zu helfen und das macht ja auch einfach Spaß. Warum sollte man diese Freude nicht teilen.

 

ImPHuLs: Nun könntest du gerne noch Werbung in eigener Sache als Künstler machen. Hast du eine Website oder ähnliches deiner Werke?
Luca Leitersdorf: Ja ich habe in Facebook meine Seite Leittersdorffotografien und auf Instagram bin ich als leitersday zu finden.

 

ImPHuls: Dann bedanken wir uns ganz herzlich für das Interview.
Luca Leitersdorf: Gerne (grinst)