Sarah Sandler

21.09.17

Zu Besuch im Pferdeparadies Krainbachhof in Schwaigern

Im Interview mit IMPHULS gibt Reittherapeutin Katja Reimold-Link Einblicke über ihren vielseitigen und spannenden Beruf .

Reittherapeutin Katja Reimold-Link mit der Stute Frieda

Die Studentenzeitschrift IMPHULS wird vor allem von angehenden Lehrerinnen und Lehrern gelesen. Warum ist es für diese Leserschaft wichtig, über das spezielle Therapieangebot informiert zu werden?


Als Lehrerin oder Lehrer ist es wichtig, Eltern bei Bedarf darauf hinzuweisen, dass es ein zusätzliches, ganzheitliches ( körperlich, seelisch und sozial) Therapieangebot gibt. Nur so kann man Eltern beraten und informieren. Das Pferd erhöht die Motivation für die Therapie und für gewünschte Veränderungen. Die Reittherapie findet Anwendung bei den unterschiedlichsten Beeinträchtigungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

 

Warum nutzt man Pferde für die Therapie und welche Vorteile hat dies im Vergleich zu anderen Therapieformen?


Durch das Pferd kann eine intensive Beziehung aufgebaut werden. Es fordert Vertrauen und Klarheit, außerdem werden Kompetenzen wie Einfühlungsvermögen und ein Gespür für einen sensiblen Umgang mit anderen trainiert. Auf dem Pferd getragen zu werden kann beruhigen, wie auch beleben. Positive Auswirkungen auf Körper und Psyche des Menschen haben vor allem die Schwingungsimpulse beim Reiten. Das Pferd stellt einen enormen Anreiz  für die Therapie dar.


Für welche Schülerinnen und Schüler ist die Reittherapie empfehlenswert?



Die Reittherapie findet vielfältige Anwendung. Sie eignet sich zum Beispiel für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen, Störungen der Wahrnehmung und Motorik oder Sinnesbeeinträchtigungen. Auch für Kinder mit Sprach- und Sprechstörungen, Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität, Ängsten oder Schwierigkeiten im Sozialverhalten eignet sich die Reittherapie. Einige Klienten  haben auch neurologische oder psychosomatische Erkrankungen.

 

Was bewirkt Reittherapie?



Durch das Therapeutische Reiten findet eine ganzheitliche Entwicklungsförderung statt. Vor allem Motorik, Gleichgewicht, Wahrnehmung, Konzentration, Selbstvertrauen, Sprache und Sozialverhalten werden angesprochen.


Welche Angebote gibt es?



Hauptsächlich biete ich Einzeltherapien an. Aber auch Kleingruppen, zum Beispiel zur Förderung des Selbstvertrauens und des Sozialverhaltens sind sinnvoll.


Gibt es finanzielle Zuschüsse für die Reittherapie?



Die Kosten sind grundsätzlich vom Klienten selbst zu tragen. In gewissen Fällen können jedoch Zuschüsse über die Krankenkasse, das Jugend- oder Versorgungsamt beantragt werden. Menschen mit Behinderung können dafür das Persönliche Budget (Dies ist eine Leistungsform, bei der Menschen mit Behinderung finanzielle Unterstützung bekommen) nutzen.

 

Wie sieht eine Therapiestunde aus?



Dies richtet sich individuell nach Klient und Bedarf. Zu Beginn gibt es immer ein Eingangsgespräch, hier werden die Ziele der Therapie festgelegt und in regelmäßigen Gesprächen überprüft. Gemeinsam mit dem Kind, dem Pferd, den Eltern und der Kooperation mit weiteren Therapeuten wird an den vereinbarten Zielen gearbeitet. Viele Ziele werden auch bei den Tätigkeiten rund ums Pferd, also vom Boden aus, verfolgt. Die Feinmotorik kann zum Beispiel beim Putzen des Pferdes und Hufe kratzen wunderbar spielerisch gefördert werden. Beim Turnen auf dem Pferderücken kann die Motorik, Wahrnehmung, sowie das Selbstvertrauen deutlich verbessert werden.


Welche Voraussetzungen muss man haben, um als Reittherapeutin zu arbeiten?



Ein sozialer oder therapeutischer Beruf ist Voraussetzung für die berufsbegleitende Ausbildung als Reittherapeutin, sowie Nachweise über reiterliche Qualifikationen. Regelmäßige Fortbildungen im Bereich der Reittherapie sind außerdem erforderlich.


Eignet sich jedes Pferd für die Reittherapie oder werden speziell ausgebildete Pferde benötigt?



Das Pferd wird speziell für den Einsatz als Therapiepferd trainiert und an die verschiedensten Materialien und Situationen gewöhnt. Außerdem muss es ein freundliches Gemüt haben und reiterlich gut ausgebildet sein. Es ist wichtig, dass das Pferd regelmäßig Auslauf und Weidegang mit seinen Artgenossen bekommt. Auch der Gesundheits- und Fütterungszustand des Pferdes muss gut sein. Um eine individuelle Therapie zu gewährleisten muss für jeden Klienten mit seinen Zielen ein paasendes  Pferd ausgewählt werden. Entscheidend hierfür sind die körperliche Konstitution, sowie das Wesen des Pferdes.

Auch ich durfte erleben, wie eine solche Therapiestunde abläuft.

Informationen für Interessierte:
Pferdeparadies Krainbachhof
74193 Schwaigern-Massenbach
www.krainbachhof.de
Reittherapie
Katja Reimold-Link
Dipl.-Soz. Päd+Reittherapeutin
Tel.:0176-24371691
katja-link@gmx.de