Melisa Duran, Seher Tasim

21.09.2017

Fluch oder Segen?- Studierendenreferate an der PH

Fast jeder an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg (PH) kennt sie, die Referate, die ein Studierender zu halten hat, um einen Leistungsnachweis in einem Seminar zu erbringen. Viele Studierende sind sich dabei nicht einig, ob die Seminare, die durch die Referierenden gestaltet werden, nützlich sind.

„Praktische Fertigkeiten, wie das gelungene Halten von Referaten, sollten viel stärker in die Lehrpläne der Hochschule eingebaut werden. Nicht alles läuft über Kognition.“, beschreibt eine Dozentin der PH Ludwigsburg. Auch in der Wissenschaft wird dem selbstständigen Erlernen einer Sache, ein höherer Rang als dem alleinigen Zuhören, gegeben.
Doch was stellen die Referate nun dar? Einen Fluch oder doch einen Segen?
„Nehmen wir jetzt auch noch die Arbeit der Dozenten ab?!“, einige Studierende denken sich das, wenn sie Referate als Leistungsnachweis sehen. Viele fühlen sich in solchen Seminaren nicht gut aufgehoben. Sie sind der Meinung, dass die Seminare meist an Qualität dadurch verlieren und die Seminare nicht besonders nützlich sind. „95% der Referate sind ohne Mühe gemacht und nicht wissenschaftlich genug. Interpunktion- und Rechtschreibfehler sind ein peinlicher Bestandteil (der Präsentationen).“, so eine Studentin der PH Ludwigsburg.


Die befragten Dozenten sehen dies jedoch aus einem anderen Blickwinkel. Referate im Seminar können sich auch als wertvoll erweisen und viele Vorteile mit sich bringen. Insbesondere das Feedback von den Studenten und den jeweiligen Dozenten an die Referenten, ist ein wichtiger Bestandteil dieser Methode. Viele Dozenten sind der Meinung, dass sie selbst durch die Referate einiges dazulernen können und bei Wissenslücken den Studenten auch unter die Arme greifen. Auf die Frage, ob dieser Leistungsnachweis eigentlich fair zu bewerten ist, lautete die Antwort einer befragten Dozentin so: „Die Leistung hängt vom Studenten ab. Jeder kommt mit anderen Voraussetzungen.“ Daraus lässt sich ableiten, dass die Gefahr immer besteht, dass ein Student sich für kurze Zeit während der Gruppenarbeit in die Ruhepause begibt und sich weniger beteiligt. In einem Punkt sind sich die meisten Dozenten einig: Sie haben die Pflicht gegenüber den Studenten, die Seminarinhalte in möglichst bester Form zu vermitteln. Es gibt auch Vorteile durch das Halten von Referaten. Sich in das Thema einzuarbeiten, die wichtigsten Punkte herauszulesen und das Thema in knapper Zeit zu präsentieren ist eine große Aufgabe, die einem auch ermöglicht, vertiefte Einblicke in das neue Themengebiet zu gewinnen.
 „Das ist voll unfair, wenn die Dozenten nichts tun und wir Studenten ständig vorne stehen müssen!“ „Ich finde ein Referat ist so ziemlich die einfachste Leistung, welche ich erbringen muss. Einfach was kurz recherchieren und ablesen oder so tun als wäre man bestens vorbereitet.“ Die Meinungen der Studenten gehen weit auseinander und hängen vom jeweiligen Dozenten und dem entsprechenden Seminar ab. Manche Studenten investieren Wochen in ein Referat und andere nur einen Abend vor dem Termin.


Damit kein Student sich unfair behandelt fühlt, gibt es die Möglichkeit, das Gespräch, vor der Aufgabe, mit dem Dozenten aufzusuchen. Es gibt auch andere Formen von Leistungsnachweisen, die sich anbieten können, falls ein Referat nicht infrage kommt und der Dozent nichts einzuwenden hat. Durch Kommunikation kann das Studentenleben so gestaltet werden, dass jeder zufrieden sein kann.