Katharina Fritz

16.03.2018

UNBOXING – Seminar “Künstlerische Videopraxis“ packt vielfältige Seminararbeiten aus

Das Seminar, „künstlerische Videopraxis“, wurde im Wintersemester 17/18 für Studierende des Faches Kunst und der Kultur- und Medienbildung, kurz KuMeBi, der Pädagogischen Hochschule angeboten. Der PH-Dozent Wolfgang Neumann, der das Seminar zum ersten Mal anbot, überlegte sich ein spannendes Thema und behandelte einen Medientrend, der viele verschiedene Darbietungen zulässt. Unter dem Titel „unboxing“ durften die Studierenden künstlerische Videoarbeiten im Rahmen des Seminars umsetzen und ihrer Kreativität somit freien Lauf lassen.

UNBOXING, zu Deutsch „auspacken“ und „entschachteln“, beschreibt das Auspacken erworbener Produkte, welches von den Konsumenten*innen in Form von Videos im Netz veröffentlicht wird.
Zu Beginn des Seminars stand fest, dass die Werke der Teilnehmenden durch eine Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Insgesamt nahmen 17 Studierende der PH teil, um ab dem 11. März 2018 ihre Ergebnisse für sechs Tage zu präsentieren. Die entstandenen Seminararbeiten wurden in historischer Kulisse im Herzen Ludwigsburgs in Szene gesetzt: Die Ausstellung fand vom 11.3. – 16.3. im Pavillon des Ratskellergartens statt. Besuchen durfte die Ausstellung jedermann und auch für Schulklassen öffnete das Seminar die Pavillontüren. Die Vernissage eröffnete Wolfgang Neumann. In seiner Eröffnungsrede betonte er die Besonderheit dieses, wie er es nannte, Kooperationsprojekts zwischen den Kunststudierenden und den KuMeBis. Zur weiteren Erklärung der Arbeiten gab er den Zuhörern Folgendes mit auf den Weg: „Die Ergebnisse mögen teils kurz, knapp und reduziert erscheinen, sie sind jedoch ein Punkt am Ende einer längeren Auseinandersetzung, mit dem, was das bewegte und bewegende Medium Video so kann.“ Nachdem er jedes einzelne Werk und dessen Künstler*innen genannt und seinen Dank an alle Mitwirkenden ausgesprochen hatte, durften die Zuschauer die Ausstellung in aller Ausführlichkeit betrachten.

Das Phänomen unboxing wird zum Internetereignis

 

Seit Mitte der 2000er besteht das Internetphänomen UNBOXING im Web. Das Öffnen eines Pakets vor laufender Kamera wird für tausende Zuschauer*innen zu einem Ereignis. Dabei kommentieren die Filmer*innen die einzelnen Schritte des Auspackens und stellen das ausgepackte Produkt samt Zubehör genauestens vor. Gegen Ende wird das Produkt für die Zuschauer getestet. Die Vermittlung von Kauferlebnissen steht im Vordergrund. Wenn auch das Betrachten dieser Videos unnatürlich erscheint, verfügen Videoplattformen wie YouTube mittlerweile über ca. 73.800.000 Videos bei der Stichwortsuche „unboxing“.

Die Ausstellung im Überblick

 

Auch Wolfgang Neumann erkannte das Potenzial und den Interpretationsspielraum dieses Phänomens. Das Erlebnis, UNBOXING in künstlerischer Weise auf Videos bzw. Video-Installationen zu übertragen, fordert viel Kreativität und eine genaue Auseinandersetzung und Analyse des Internethypes. Die Studentin Mirjam Kreß schuf ein Videoloop, der auf die heutige Konsumgesellschaft und deren fehlerhafte Wertschätzung gegenüber der Gegenstände aufmerksam machen will. Lisa Wendelberger und Clara Hasert produzierten einen Kurzfilm, der sich mit der Entstehung einer weiteren sinnlosen Box beschäftigt. Der Kurzfilm von Alina Janz und Gloria Kern, welcher sich mit dem Auspacken natürlicher Hüllen von Obstsorten befasst, spielte sich in einem Guckkasten ab – die Studierenden bieten eine interessante und verschiedenartige Palette an Interpretationen. Ein Highlight war die Installation „to think out of the box“ von Mia Jäger, Aline Riedle und Enia Wegmann. Drei abgenutzte Röhrenfernseher, die mitten im Pavillon vor einer schimmernden und goldenen Glitzerfolie platziert wurden, erregten besonders die Aufmerksamkeit der Besucher. Es handelt sich um eine Installation bei der die drei Bildschirme das Wort „unboxing“ strukturell assoziieren. Die drei Farben Cyan, Magenta und Yellow präsentierten im Wechsel die Freilegung des Wortes. So wurden symbolisch eine Musikbox, ein Boxer (Hund), eine Boxerfaust und die wortlose Mundbewegung des Wortes „unboxing“ mimisch gezeigt. Ein weiteres Augenmerk war die große Box-Installation „ANUMVERAUS – PACKEN“ von Alexandra Herger und Johanna Füller. Die fast fünfminütige Darbietung zeige einen „poetischen Dreiklang, an dem sich Tanz, Performance, Gedicht und Handlung an einem verpackten Produkt durchdringen“, so Neumann. Bereichernde und anregende Gedanken setzten die Studierenden bei den Vernissage-Besuchern frei - ob gesellschaftskritisch, tiefgründig oder ironisch.

Unboxing-Experten haben auf YouTube Klicks in millionenfacher Höhe. Diese Reichweite blieb für die PH-Studierenden leider aus, dennoch ermöglichte Wolfgang Neumann seinen Studierenden, ihre einzigartigen Seminararbeiten der Öffentlichkeit vorzustellen.