Leah Seeger

21.09.2017

Self-made Trinktisch

 

Vom Studenten für den Studenten: Das perfekte Geschenk

Ja, es gibt da diese Vorurteile. Studenten feiern nur ihr Leben und entspannen die ganze Zeit. Immer Party, Party, Party und wenn dann wirklich mal was gemacht werden muss, dann am besten in Partnerarbeit und klar, auf den letzten Drücker. Nachtschicht und so. Ich könnte jetzt sagen: „Was? Nein. Das stimmt doch gar nicht! Studieren ist total stressig. Ich mache jeden Tag Seminarmitschriften und bereite mindestens 90 Minuten vor und nach. Außerdem fange ich schon 2 Monate vor dem Klausurtermin mit dem Lernen an“. Ich finde ja, dass sich das sehr strebsam und engagiert anhört. Und absolut langweilig. Natürlich dürfen Studenten nicht in Ihrem Stand-By- Modus versumpfen und sollten es schon schaffen irgendwann das Ziel zu erreichen.  Aber sind wir mal ehrlich: A good party never killed nobody, oder? Und ob diese Party in einem Wohnheim unter Fremden, in der Uni oder in der eigenen WG stattfindet, ist da vollkommen egal. Kritisch wird es erst, wenn zu einer Geburtstags-Party eingeladen wird. Schlimmstenfalls ist das Geburtstagskind auch noch ein guter Freund  und das endet zwangsläufig in einer Geschenksuche. Ich kann euch vielleicht nicht in Sachen „Wie organisiere ich mein Studium“ beraten, aber in der Kategorie „Geschenk-Alkohol-Billig“ bin ich ziemlich kreativ. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Self-made Trinktisch ist das perfekte Gruppen-Geschenk und ein absoluter Stimmungsmacher. Des Weiteren ist er günstig und kann personifiziert werden, so dass jeder Tisch ein Unikat ist.

Wie funktioniert das Spiel?

 

Der Tisch fungiert als Spielbrett. Es gibt ein Start- und ein Zielfeld, dazwischen Zahlenfelder und Aufgabenfelder. Jeder Spieler hat eine Spielfigur und es wird mit einem Würfel gespielt. Besagt ein Feld nicht das Gegenteil, so wird in der Regel einmal gewürfelt. Die Figuren könnten ein Spitzer, ein Minion, ein Fingerhut oder ein Bierdeckel sein. Das einzige Kriterium ist, dass sie sich voneinander unterscheiden. Das Spielbrett selbst ist wie eine Spirale aufgebaut. Das heißt, die Felder gehen von außen nach innen bis zur Mitte, dem Zielfeld. Logischerweise wird bei  ‚Start‘ begonnen und im Uhrzeigersinn gespielt. Da jedoch beinahe jedes Feld eine Aktion erfordert, wird es ziemlich heikel, das Ziel in nüchternem Zustand zu erreichen. Und ja, der Ausgangspunkt der Aktionen ist meistens, dass getrunken wird. Und zwar kein Wasser. Natürlich hat es kurz vor dem Ziel noch ein spezielles Feld: Die Leiter. Diese Leiter führt abwärts auf ein anderes Feld und wirft euch damit wieder um mehrere Spielzüge zurück. Sonst wär’s ja langweilig, oder? Darauf trinken wir einen.

Was ihr dafür braucht- Eine Zutatenliste

 

Kommt schon. Hier geht es nicht um die Zutaten für ein alkoholisches Getränk. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Einen kleinen Tisch gibt es bei IKEA ab 7 Euro zu kaufen. Ob schwarz oder weiß und ob rechteckig oder quadratisch ist euch überlassen. Die permanenten Lumocolor Universalstifte hat jeder Drogeriemarkt im Repertoire oder sind online bestellbar. Wenn ihr den Tisch nicht bunt bemalen wollt, dann könnt ihr ihn auch einfarbig gestalten. Um den bemalten Tisch am Ende fixieren zu können und ihn vor Verschleiß zu bewahren, solltet ihr einen Schutzlack zum Sprühen besorgen. Den gibt es ebenfalls online oder im Baumarkt. Ansonsten fehlen noch ein Geodreieck, ein großes Lineal, ein Bleistift, ein Spitzer, ein Radiergummi, Motivation und viel Zeit.

Los geht's- Vorüberlegungen und Rahmen

 

First step: der Rahmen. Zieht mit dem Bleistift eine Parallele zu der Tischkante,  5-7 cm breit. Diese Linie zieht ihr an jeder Tischseite. Zu dieser Parallele zieht ihr dann noch zwei weitere, sodass ihr am Ende drei Linien habt. In der Mitte sollte noch ein quadratischer beziehungsweise rechteckiger Hohlraum für das Zielfeld sein. Nun teilt ihr quadratische Felder ein und zeichnet diese ebenfalls mit Bleistift an. In diese Quadrate könnt ihr nun eure Aufgaben, Aufforderungen oder Zahlen malen. Ideal wäre es, wenn 1-2 Personen die einzelnen Felder mit Bleistift vorzeichnen und die weiteren direkt mit den wasserfesten Stiften nachzeichnen. So spart ihr eine Menge Zeit. Der Bleistift kann einfach übermalt werden. Macht euch am besten im Vorfeld schon Gedanken wie ihr die Felder befüllt, damit ihr später nur noch zeichnen müsst und nicht noch ewige Diskussionen  entstehen. Behaltet dabei im Hinterkopf, dass beinahe jedes Feld eine Aufgabe beinhaltet, welche von dem jeweiligen Spieler oder der ganzen Gruppe erfüllt werden muss. Als Orientierung solltet ihr euch auch ein „Start“-Feld  festlegen, damit ihr die Möglichkeit habt, die Felder in Beziehung zueinander zu setzen. Jetzt wo die Basics gelegt sind,  können die Quadrate bemalt oder beschrieben werden.

Die Gestaltung des Tisches oder "Was kann das Feld so?"

 

Es gibt „klassische“ Felder, die auf keinem Trinktisch fehlen dürfen. Aber damit ihr später nicht total überfordert seid und alles auf mich schiebt, gibt es hier sogar noch die Erklärungen dazu:

 

- Die ‚Kategorie‘: Der Spieler, der auf dieses Feld kommt, nennt einen            Überbegriff, zum Beispiel ‚Hauptstädte in Europa‘. Der Reihe nach muss jeder   Spieler eine Stadt nennen, bis einem der Spieler nichts mehr einfällt. Dieser    letzte Spieler trinkt dann 3 Schlücke.

- ‚Reim‘: Der Spieler sagt ein Wort, für welche die Spieler der Reihe nach Reimwörter finden müssen. Diese Aufgabe ist ebenfalls beendet, sobald einer der Spieler kein Reimwort mehr weiß. Jener Spieler muss dann wieder 3 Schlücke trinken.

- ‚… Schlücke verteilen‘: Der Spieler muss die Anzahl von Schlücken, die auf seinem Feld angegeben sind, an Mitspieler verteilen.

- ‚Jemanden küssen‘: Die Mitspieler bestimmen, wen der Spieler küssen muss.

- ‚Regel‘: Der Aktive darf eine Regel einführen, an die sich jeder halten muss. Wird dagegen verstoßen: Trinken.

- ‚Alle müssen trinken‘: Ist hier wirklich eine Erklärung notwendig?

- ‚Du musst trinken‘

- ‚Jeder mit Bruder oder Schwester muss trinken‘;

- ‚Alle Singles trinken‘;

- ‚Links/Rechts von Dir muss trinken‘;

- ‚Kleidertausch‘: Der Spieler muss mit einem Mitspieler seiner Wahl ein beliebiges Kleiderstück tauschen.

- ‚Wer lacht verliert‘: Derjenige, der zuerst lacht, muss trinken.

- ‚Wenn ich Du wäre…‘: …würde ich eine blöde Aufgabe machen. Der Spieler, natürlich. Und wer darf sich eine Aufgabe ausdenken? Alle anderen.

- ‚Drink-Buddy‘: Wer auf dieses Feld kommt, darf sich einen Drink-Buddy aussuchen. Wenn einer der beiden trinkt, muss der andere auch trinken.

- ‚Tausche dein Getränk mit Deinem linken/rechten Nachbarn‘;

- ‚Gehe … Felder zurück‘;

- ‚Zurück zu Start‘;

- ‚Ich hab noch nie…‘: …gemacht. Der Aktive darf sich eine Tätigkeit überlegen. Die Person, die das schon einmal gemacht hat, muss trinken.

- ‚Aussetzen‘;

- ‚Medusa‘: Der Spieler ist jetzt Medusa und wer ihm oder ihr in die Augen guckt, muss trinken. Der Spieler hat so lange die Position inne, bis ein anderer das Feld betritt.

- ‚Question Master‘: Du wirst zum Fragenden. Deine Fragen dürfen nicht mehr beantwortet werden. Und wenn man dir antwortet? Trinken.

 

So, genug Doppelpunkte gesetzt. Viele Felder sind variabel und können öfters vorkommen. Die ‚Jeder mit einem/einer …‘- Felder und die ‚Verteile … Schlücke‘- Felder beispielsweise. Zwischendrin immer mal wieder ein Zahlenfeld oder je nach Bedarf eine Raucherpause einplanen. Ihr könnt euch auch individuelle Felder überlegen oder Specials, wie zum Beispiel ‚Fülle den Becher‘. Hier muss ein Anteil des Getränks in einen Becher in der Mitte geschüttet werden. Macht dieses Feld 2-4 Mal und schließlich ein Feld, bei welchem der Inhalt des Bechers getrunken wird. Meistens ist das eine ziemlich üble Mischung und absolut widerlich. Aber in jedem Fall ist es ein Must-have. Mit dem Namen des zukünftigen Tischbesitzers lässt sich ebenfalls viel kreieren: ‚Lena muss exen, ‚Beschreibe Alex mit 3 Wörtern‘ oder Ähnliches. Eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Schließlich kommt noch das Zielfeld, welches auch personifiziert sein kann: Das Lieblingstier von Alex? Lenas Tattoo? Wofür auch immer ihr euch entscheidet, bedenkt, dass die Mitte des Tisches stets ein Blickfang ist. Damit verwandelt ihr den Tisch in einen persönlichen Gegenstand und macht ihn einzigartig.

Last but not least

 

Sobald alles gezeichnet und nachgemalt ist, sollte der Trinktisch noch mit einem Schutz- Lack versehen werden. Dann hat man länger etwas davon. Und? Lust bekommen, selbst so einen Tisch herzustellen? Dann ran an die Arbeit und viel Erfolg. Um ehrlich zu sein braucht man dafür aber tatsächlich sehr viel Zeit. Aber hey, wir sind ja Studenten…

 

Von Leah Seeger