Alisa Cole

16.03.2018

„Come to where the quality is! Come to QualityLand!“

 

„Willkommen in QualityLand! Hier ist allein der Superlativ erlaubt. Sei also vorsichtig. Wenn du gefragt wirst, wie es dir in QualityLand gefällt, dann sag bloß nicht, QualityLand sei ein besonderes Land. Es ist kein besonderes Land. Es ist das besonderste!“

QualityLand - das ist der Titel des neuen Romans von Marc-Uwe Kling. Er selbst bezeichnet ihn als „lustige Dystopie“.
So zeichnet er hier eine Zukunft, in der Effizienz und Leistung über eine komplett digitalisierte Gesellschaft angestrebt werden. Freizeit, Beruf und Beziehungen werden in „QualityLand“ demnach von Algorithmen bestimmt - und somit den Bewohnern Entscheidungen abgenommen.
Begleitet werden diese von ihrem digitalen Assistenten, der mit Errechnungen der persönlichen Vorlieben und Denkweisen den Alltag gestaltet, ohne selbst Vorhaben und Wünsche ausdrücklich äußern zu müssen.

Auch Klings Protagonist Peter Arbeitsloser lebt in „QualityLand“. Seinen Nachnamen trägt er gemäß den Vorgaben aufgrund des letzten ausgeübten Berufs des Vaters zum Zeugungsakt. Nachdem seine Freundin, die zuvor über die Partnerbörse „QualityPartner“ für ihn empfohlen wurde, sich von ihm trennt, steigt er in der Bewertungsskala des Landes zum Nutzlosen ab. Er betreibt eine kleine Schrottpresse, die von leicht bis schwer defekten Androiden auf Anweisung aufgesucht wird , wenn sie als unbrauchbar abgestempelt wurden. So lernt er Roboter unterschiedlichster Art kennen, die er entgegen seiner Pflicht in seinem Keller beheimatet. Eine androide E-Poetin mit Schreibblockade, ein Sexdroide mit Erektionsstörungen, ein Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung sowie eine flugunfähige Drohne teilen sich also das Zimmer mit der Türaufschrift „Ein Herz für Maschinen“.

Noch nie ein Fan des Systems, beginnt Peter Arbeitsloser jedoch erst, sich dagegen zu wehren, als eine Drohne des Versandhändlers „TheShop“ ihm ein Produkt liefert, das er nicht möchte. Trotz mehrfacher Anläufe kann er sein Reklamationsrecht nicht einfordern. In seinem Kampf gegen das System nimmt er sich vor, mit dem obersten Versandchef persönlich zu sprechen - eine schwierige Angelegenheit! Dabei stehen ihm seine geretteten Roboter zur Seite.

Für alle Kling-Leserinnen und –Leser stand wohl schon vor der Erscheinung seines neuen Romans fest: Dieses Buch wird lesenswert sein! Und auch nach dessen Verschlingen und des bekannten Wehmuts, zu schnell gelesen zu haben, ist die Begeisterung wieder groß.
Klings witzige Art, seriöse Themen und Klischees mit Sarkasmus und Ironie ins Lächerliche zu ziehen und gesellschaftliche Paradoxa aufzudecken, findet sich wie schon in seiner Känguru-Reihe auch hier wieder. Für Fans der vorangegangenen Reihe hält er zudem kleine Insiderwitze sowie die Wiederkehr des geliebten Kängurus als Nebenfigur bereit.
Die Charaktere finden schnell einen Platz im Herzen und wirken aufgrund ihrer kleinen „Defekte“ umso charmanter.
Trotzdem rücken die ernsten Themen nicht komplett in den Hintergrund. Die Parallelen zur heutigen Welt, überspitzt dargestellt, erschrecken und regen zum Nachdenken an - und machen damit das Lesen umso wichtiger.

„Um einen Schritt in Richtung personalisierter Literatur zu machen“, äußert Kling trocken, ist der neue Roman aktuell in zwei Versionen erhältlich. Die hellere Version sei demnach für alle Optimisten, die dunklere  für Apokalyptiker. Doch keine Angst - es gibt nur minimale Unterschiede, die von der Handlung unabhängig und für das Verständnis nicht essentiell sind.
Für alle Känguru-Fans, Satireliebhaber und allgemein für diejenigen, die sich mit aktuellen Themen wie Politik, Medien und Datenschutz beschäftigen, ein Muss!